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Donnerstag, 09. September 2010

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Neue Top-Level-Domains im Überfluss (1/2)

In Europa wurde das Internet entwickelt und aufgebaut. Kontrolliert wird es heute von den USA. Wer in Deutschland eine Domain registrieren will, muss dies letztlich unter Oberaufsicht des amerikanischen Handelsministeriums tun. Nun läuft der bisher größte Angriff auf die US-Vormachtstellung. Den deutschen Nutzern winken neue Top-Level-Domains im Überfluss - die man schon heute bestellen kann.
   
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Zum Beispiel bei www.new.net - einer der größten Angreifer. Die Firma bietet derzeit 21 neue Domainfamilien, mit Endungen wie .familie, .ges, .gmbh, .gratis, .kirche oder .kunst. Die Reservierung kostet 35 US-Dollar pro Jahr. Mehr als eine Reservierung ist das noch nicht, denn für die neuen Endungen will New.net ein eigenes Netz aufbauen.

Ein Netz, das nicht mehr allein kontrolliert wird von der allmächtigen "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers" (ICANN). Nach eigenen Angaben hat new.net schon Absprachen mit Providern getroffen, wodurch 70 Millionen Nutzer erreicht werden könnten. Man kooperiere unter anderem mit Easyspace, dem ersten und größten ICANN-akkreditierten Registrator in Großbritannien und dem amerikanischen BulkRegister.com, dem viertgrößten ICANN-autorisierten Registrator weltweit.

70 Millionen User sind aber nicht die Welt. Auf der Bestellseite von new.net gibt’s einen Währungsrechner - aber keine Garantie, dass die Währung sinnvoll ausgegeben wird. Zwar existieren schon "alternative" Netze, in den USA, zum Beispiel das "Pacific Network". Ob die neuen Top-Level-Domains aber jemals in die Internet-Alltagswelt eingegeliedert wird, also von jedem zu erreichen sind, steht in den Sternen.

Und was sagt die DENIC dazu? Die Registrierstelle für ".de"-Domains warnt ausdrücklich vor den neuen Adresshändlern und weist darauf hin, dass gerade die einheitlichen Standards den Erfolg des Internets gebracht haben. Entstehen nun alternative Netze abseits davon, ist die Globalität erst mal futsch.

Trotzdem haben sich nach Anbieter-Angaben schon mehrere Tausend Kunden gefunden, die neue Domains bestellt haben. Wohl auch in Erwartung einer neuen Welle des goldenen Domain-Grabbings. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" - diese Vorgehensweise versprechen die alternativen Anbieter strikt einzuhalten. Und bei den vielen neuen Endungen bieten sich massenhaft Möglichkeiten, jetzt billig zu reservieren und später teuer zu verkaufen.

Außerdem bekäme das Grabbing eine neue Dimension. Funktioniert die Idee der alternativen Registrare, würde das wohl bedeuten: Jeder, der einen Rootserver aufstellen kann, kann Domains registrieren.




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